Stein auf Stein, Stein auf Stein – der Ofen wird bald fertig sein. Junge Hobbyhandwerker stellen alten Lehmofen wieder her.

Bliedersdorf im Sommer und Herbst 2020. Erst Hitze, dann Frost – die jungen Männer mussten in ihrem ersten Baupraktikum nicht nur unter Corona-Bedingungen werkeln, sie sind an beiden Terminen ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Der 160 Jahre alte Backofen im alten Backhaus in Bliedersdorf braucht nicht nur eine Schönheitskur – damit er wieder fürs Backen genutzt werden kann, musste er von Grund auf restauriert werden. Die jungen Handwerker errichteten das Gewölbe neu, mauerten was das Zeug hält und setzten dem Backofen seine Lehmschicht auf. Eine ganz schön schmutzige Angelegenheit, die man den jungen Männern auch ansah – den Spaß bei der Arbeit mit Werkzeug, Hand und Herz aber ebenso. Am Ende wurden viele alte Ziegel verbaut, Lehm aus Sand, Stroh und Wasser hergestellt und in Handarbeit mal grob, mal fein aufgearbeitet. Stolz blickten die Männer auf ihr Werk und freuen sich auf die erste Pizzaverkostung im nächsten Jahr – denn nun darf der Ofen erstmal ruhen und aushärten.

Maurermeister und Ausbildungsmeister im TZH Tobias Prigge initiierte gemeinsam mit dem Technologiezentrum des Handwerks (TZH) und der Kreishandwerkerschaft Stade unter der Schirmherrschaft von CDU-Generalsekretär Kai Seefried das beliebte Schüler-Praktikum.

„Ausbildungsmessen, Praktika, Tag der offenen Tür – vieles fällt in diesem Jahr weg – um die Berufsfindungsprozesse trotzdem am Laufen zu halten, haben wir in einem Videomeeting Ideen zusammengetragen, wie unter Hygienemaßnahmen Praktisches angeboten werden kann“, so Seefried.

Sogar Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil warf einen Blick auf die handwerkliche Arbeit, als er zur Übergabe des Niedersachsenpreises im August 2020 im Museumsdorf Bliedersdorf war. Er lobte „…die Initiative, junge Menschen handwerklich und vor allem kulturell an die Hand zu nehmen – und dass durch und durch praktischer Natur“, zitiert Vereinsmitglied Eckhard Jochim den Ministerpräsidenten und schoss das dazugehörige Bild.

„Einen bunt gemischten Haufen junger Leute haben wir hier“, so Meister Prigge. Einige nehmen das Projekt als Lebenserfahrung mit und werden später eher in den kaufmännischen Bereich gehen – die andere Hälfte nimmt das Projekt als Weiterbildung im Handwerk mit und ernst. Alle haben eins gemeinsam: Sie können sich ohne Probleme nun einen eigenen Lehmofen daheim bauen – wer kann das schon von sich behaupten“, so TZH Leiter Knoll, der sich das Treiben nicht entgehen lassen wollte
und den jungen Handwerkern einen Besuch abstattete. „Ich hoffe, wir können solche Projekte in Zukunft vermehrt in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Stade anbieten – für Maurer, Zimmermänner, Tischler und und und.

Max und Jakob von Allwörden sind jetzt schon begeisterte Handwerker, beide kommen aus Deinste. Die beiden Brüder packen Zuhause gerne mit an, wenn es ums Praktische geht. Max möchte nach der Schule eine Ausbildung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb machen, Jacob eine Maurerlehre beginnen. Die beiden fackeln nicht lange, wenn es ums Anpacken geht – „Wat mut dat Mut“, so Max.
Das Backhus steht seit 1860 und wurde 2001 in Dollern abgebaut und in Bliedersdorf neu errichtet. Mit dem Erhalt des Backhaus und dessen Lehmofens könne die Geschichte unserer Vorfahren erzählen und lebendig werden lassen. Sie verfallen nicht in Vergessenheit – Mit der Restaurierung haben sich die jungen Handwerker nun in die Geschichte des Backhauses geschrieben und sind ein Teil davon geworden.

Fotos: Kreishandwerkerschaft Stade und TZH Stade/Knoll
Foto Weil: Eckhard Jochim | Verein Museumsdorf Bliedersdorf