Universell, wie ein Schweizer Taschenmesser

Alle Bilder der Veranstaltung hochauflösend (bis 1.3.2018 danach mail an kontakt@die-medienfrau.de) und der Pressebericht als PDF zum Download hier

63 neue Nachwuchskräfte für den Land- und Baumaschinenmechatroniker fit gemacht

26. Januar 2018, Bremervörde-Iselersheim. Der festlich geschmückte Saal des Gasthofes Pülsch in Bremervörde ist gut gefüllt. Knapp 220 Gäste und 63 Lehrlinge des Ausbildungsberufes zum Land- und Baumaschinenmechatronikers feiern ihre Freisprechung aus ihrem Lehrverhältnis und damit die Freisprechung von ihren bisherigen Azubi-Pflichten. In diesem Jahr stach eine Person ganz besonders hervor. Zum ersten Mal begrüßte die Innung eine Absolventin in den Reihen der Freizusprechenden. Nele Katharina Ritscher aus Fredenbeck hat sich als Exotin in die Männerwelt getraut und wurde mit einem Gesellenbrief belohnt. „Ich habe keinen Moment gezweifelt und bin auch heute noch stolz auf meine Entscheidung für die handwerkliche Ausbildung.“ so die selbstbewusste 19-Jährig, die im Innungsfachbetrieb New-Tec West in Heinbockel-Hagenah ihre Ausbildung absolvierte.

Traditionell werden die jungen Handwerker in einem feierlichen Akt offiziell in den Gesellenstand erhoben. Ein wichtiger Tag für die jungen Gesellen – den sich auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Eckhard Sudmeyer nicht entgehen ließ. Er sprach den 63 Prüflingen in seiner Festrede ins Gewissen: „Sie alle sind Hightech. Retten Sie jeden Tag irgendwem, irgendwo seine eigene kleine Welt!“.

Dieser Appel ging auch an Jannes Loell, Jahrgangsbester 2018, der mit knapp 92% seinen Abschluss feiern konnte. Er absolvierte seine beispiellos gute Ausbildung im Innungsfachbetrieb Bredehöft und Partner in Lintig, die es sich nicht nehmen ließen ihren erfolgreichen Schützling an diesem Abend zu begleiten.

Ausführliche Story


Universell, wie ein Schweizer Taschenmesser – Die duale Ausbildung der Schlüssel zum Erfolg

Obermeister der Innung für Land- und Baumaschinentechnik Peter Brockmann moderierte die Veranstaltung und begrüßte die Lehrlinge und deren Familien, Freunde, Bekannte und Unterstützer. Jahrelange Begleiter, wie Lehrer der Berufsschulen, Prüfungsausschuss- und Innungsmitglieder wollten sich diesen Etappensieg der Nachwuchshandwerker ebenfalls nicht entgehen lassen. Er sprach zu den Absolventen: „Ihr habt sicher nichts geschenkt bekommen – heute ist ein Tag der Freude und des Feierns“ und Brockmann weiter: „Wir alle, Innung, Schulen, TZH, Eltern und Betriebe, haben dasselbe Ziel – wir müssen und wollen beim technischen Fortschritt am Ball bleiben, immer zeitgemäß sein und stets auf dem neuesten Stand der Dinge bleiben. Zusammen sind wir ein spitzen Team.“
Fünf Schulstandorte, darunter die Berufsbildenden Schulen Cadenberge, Stade und Zeven, Lehrer, Meister, der gesamte Prüfungssauschuss und nicht zuletzt das Technologiezentrum des Handwerks in Stade, in dem die Auszubildenden Lehrgänge und ihre Prüfung absolvieren, würden wie Zahnräder ineinander greifen. Obermeister Brockmann richtet seine Worte punktgenau an die jungen Handwerker: „Sie haben sich für den „geilsten“ Beruf der Welt entschieden, Sie haben 42 Monate eine der vielseitigsten Ausbildungen genossen und sind nun universell, wie ein Schweizer Taschenmesser.“, resümiert Peter Brockmann mit Blick auf die vor ihm sitzenden Nachwuchskräfte. „Ihr seid die Macher des Handwerks.“ Brockmann betonte zudem, dass es ohne Schweiß keinen Preis gäbe und dies sich ab jetzt noch mehr auszahlen würde. Als Meister oder Geselle und der richtigen Einstellung würde sich der Fleiß immer auszahlen. „Arbeitslose Mechatroniker in unseren Reihen gibt es wohl nicht – doch wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, hat diese wohl an der falschen Stelle.“ Er machte den jungen Fachkräften Mut: „Sie haben nun alles was sie brauchen in Ihrem Werkzeugkasten!“. Er übergibt das Wort an den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Bremervörde Uwe Matthias.

Dynamisch und Flexibel – das Handwerk hat‘s bewiesen.

Stellv. Bürgermeister Matthias ist froh wieder dabei sein zu dürfen, „es ist schön, die Freude in Ihren Gesichtern sehen zu können – Sie haben sich für ein Handwerk entschieden und das ist gut so!“, startet der Gemeindevertreter in seine Ansprache. Er erinnert an die zurücklegenden schweren Jahre der jungen Handwerker, die Ausbildung sei nicht einfach und sie haben alle zeigen müssen was in ihnen stecke. Zu diesem bedeutenden Lebensabschnitt gratulierte er den Junggesellen, dankte den Ausbildern und pflichtete den Absolventen bei: „Das Handwerk hat in seiner langen Tradition oft Flexibilität und Dynamik beweisen müssen – jetzt sind Sie an der Reihe zu zeigen, ob Sie das auch können!“ so Matthias.

Handwerkskammer und Hightech: Vom Träume erfüllen und Welten retten.

Als nächster richtete der diesjährige Festredner und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Eckhard Sudmeyer seine motivierenden Worte an die gespannten Zuhörer. Er behalf sich dabei der Lebensgeschichte von Professor Randy Pausch, der mit seiner Lebensgeschichte „Anleitung, wie man sich seine Träume erfüllt“ viral ganz unverhofft zu einer Berühmtheit wurde. So gab Sudmeyer den jungen Mechatronikern und Mechatronikerinnen mit auf den Weg, dass „… Sie alle, so wie Pausch, mit Ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung eine wichtige Grundlage geschaffen haben, um vorbereitet zu sein, wenn man schließlich am Ball ist.“ Sudmeyer zitierte weiter aus Pausch’s Leben, dass Kritik nicht ein negatives Faktum sei, Kritik bedeute, dass man wichtig sei, denn „wenn keiner mehr mit Ihnen spricht, dann interessiert sich auch keiner mehr für Sie.“ Er sagt weiter, dass es zur Erfüllung von Träumen dazu gehöre, das nicht immer alles auf Anhieb funktioniere, „ jeder kommt einmal an einen Punkt, an dem es scheinbar nicht mehr weiter geht. Hindernisse sind zu einem guten Zweck da“, so Sudmeyer, denn es galt diese Hindernisse zu überwinden und daraus zu lernen. Am Ende stünde der erfüllte Traum – ob als Geselle, Meister, Ingenieur oder welchen Traum sich die jungen Weltretter erfüllen wollen. Nicht umsonst heißt es in der neuen Imagekampagne des Handwerks: „Das Handwerk – rettet immer wieder eine kleine Welt“.

Ein Blick hinter die Kulissen: Aufregende Gesellenprüfungen

Sudmeyer übergibt das Wort an den Lehrlingswart Andreas Pape. Er führt die Gäste bildlich durch die Lehrjahre und Prüfungszeit und entlässt daraufhin die Prüflinge aus Ihrem Lehrverhältnis mit der offiziellen Freisprechung. „63 sitzen nach 3 ½ Jähriger Ausbildungszeit nun hier vor mir – gewünscht hätten wir uns natürlich, dass wir allen einen Gesellenbrief überreichen dürfen, die damals in die Ausbildung gestartet sind. Doch mit diesem Ergebnis können wir trotz dessen sehr zufrieden sein.“ Lehrlingswart Andreas Pape resümiert von den aufregenden Prüfungstagen Anfang des Jahres und gibt den Gästen einen Einblick in die Aufgaben, die die Prüflinge bewältigen mussten. „Es ist für jeden eine große Herausforderung, das abzurufen, das über dreieinhalb Jahre erlernt wurde – die Breite des Wissens, die dem heutigen Lehrling innewohnen muss, wird an diesen beiden Tagen besonders deutlich“, so Pape. Anschließend beglückwünschen Obermeister Peter Brockmann, Lehrlingswart Andreas Pape und Prüfungsausschussvorsitzender Jörn Grothmann die Junggesellen und überreichen ihnen einem nach dem anderen ihren Gesellenbrief.

Jahrgangsbester mit über 90%!

Jahrgangs- und zugleich Innungsbester wurde mit einer Punktzahl von knapp 92% der 22-jährige Schiffdorfer Jannes Joell. Er lernte im Betrieb Bredehöft und Partner Lintig mit zwei weiteren Lehrlingen, die ebenfalls mit einem sehr guten Abschluss glänzen konnten. Jannes Ergebnis sei eine sehr seltene Kombination aus einer hervorragenden schulischer und praktischer Leistungen. Wenige Prozentpunkte dahinter (87%) findet sich der ebenfalls 21-jährige Lennart Kammke aus Schwanewede, auf dem zweiten Rang wieder. Den dritten Platz sicherte sich Ansgar Meyer (86%), der 19-jährige Belumer lernte im Innungsfachbetrieb Burdewick GmbH, Lahmstedt.

Jannes Loell eingerahmt von den Köpfen seines Lehrbetriebes Bredehöft und Partner aus Lintig vertreten durch Holger, Senior Heinz und Michael Bredehöft (v.l.).

Jahrgangsbester Jannes Joell mit Lennart Kammke (li.) und Ansgar Meyer (re.)

Die Frau, die sich traut! Mechatronikerin mit Mut und „frecher Schnute“.
Nele Katharina Ritscher traut sich was – sie lernte einen männerdominierten Beruf und das, sagt sie selbst, war nicht immer ganz leicht. „Unter den ganzen Kollegen und Schülern muss man sich durchsetzen können, eine graue Maus wird da nicht weit kommen. Das musste ich aber auch erstmal lernen“, so die selbstbewusste junge Frau. Die 19-Jährige hat sich ganz bewusst für ein Handwerk entschieden: „Die Jungs haben immer gesagt, Mädchen könnten das nicht, Mädchen können nicht mal einen Nagel in die Wand hämmern – ich wollte ihnen das Gegenteil beweisen“. Und das hat die Fredenbeckerin mit ihrem erfolgreichen Abschluss geschafft. Sie selbst sagt, sie habe weder familiär noch im näheren Bekanntenkreis einen Vorreiter für ihren beruflichen Werdegang – das habe sich ganz alleine so entwickelt. Nach einigen Praktika im Handwerk startete sie im Innungsfachbetrieb New-Tec West in Heinbockel-Hagenah mit ihrer Ausbildung durch. Jetzt geht es für ein halbes Jahr ins Ausland nach Neuseeland: „Work and Travel auf einer Farm, da kann ich gleich zeigen was ich Mechatronisch drauf habe“. Danach möchte Nele ihr Abitur nachholen und Berufschullehrerin werden: „Mal sehen wie sich alles entwickelt, vielleicht mache eines Tages doch noch meinen Meister“.

Freisprechung durch den Altgesellen

Altgeselle Wilfried Buck erhebt die Handwerker nun in den Gesellenstand und lässt damit Erleichterung und Freude bei allen Anwesenden aufkommen.

“Die Frauen sind stark im Kommen im Handwerk – und das ist gut so!“

Zu Guter Letzt richtet Oberstudiendirekter aus Cadenberge Uwe Hagedorn seine Worte an die Junggesellen. „Ausbildung ist nicht immer nur eine Holschuld, sondern auch eine Bringschuld. Ihr habt euch die letzten Jahre oft selbst gekümmert, dass eure Ausbildung was geworden ist! Gebt das auch an die kommenden Generationen weiter“, nimmt er die jungen Handwerker in die Verantwortung. Er selbst habe auf seinem Lebensweg noch keine Frau unter den Mechatroniker-Azubis antreffen dürfen: “Die Frauen sind stark im Kommen im Handwerk – und das ist gut so!“

Peter Brockmann beendet den offiziellen Teil der Veranstaltung und eröffnet zugleich in einen geselligen Abend mit feierlichem Beisammensein.

Impressionen:

Alle Bilder der Veranstaltung hochauflösend (bis 1.3.2018 danach mail an kontakt@die-medienfrau.de) und der Pressebericht als PDF zum Download hier